Bildung Vol. II

Zugang zur Bildung

 

Unterscheiden wir den Zugang zur Bildung in zwei Wege, so ist der eine Weg das Selbststudium, sich selbst auszubilden, und der andere Weg das ausgebildet werden. Das „sich selbst auszubilden“ bedeutet einen hohen Eigenaufwand und einen nicht minder hohen Aufwand von geldlichen Mitteln. Durch den zweiten Weg, „sich ausbilden zu lassen“, hat man Zugang zu Materialien, die spezifisch auf gewisse Themenfelder zugeschnitten sind. Das „sich ausbilden lassen“ beziehen wir hier nur auf schulisch Akademisches, zum Beispiel, Schule und Studium. Am Ende hat man mit viel Fleiß und Eigeninitiative einen Abschluss oder sogar einen Titel erworben.

Fangen wir mit dem Selbststudium an.

„Sich auszubilden“ erfordert Wissensdurst und ein hohes Maß an Interesse gegenüber der Bildung. Da das Selbststudium kein Zwang ist, fühlen sich bloß die Wenigsten dazu verpflichtet, sich auf diesen Weg zu begeben. Doch ist der Wissensdurst vorhanden, so ist es ein wunderbares Abenteuer voller Entdeckungen, unabhängig von Zeitplänen. Man kann stets selbst entscheiden, welches Wissen man sich aneignen und welchen Bildungspfad man wandern möchte.

Eigene Faktensammlungen mithilfe von unterschiedlichen Quellen zu kreieren, um zu eigenen Theorien zu gelangen, ist ein spannendes Unterfangen voller sich dauerhaft erweiternder Blicke auf die Welt. Sich ins Unendliche ausdehnende Horizonte.

Das Selbststudium kann vom ganz minimalen Aufwand bis zum ausgedehnten „Alles-wissen-zu-wollen“ gehen. Vom täglichem Zeitunglesen und recherchieren unterschiedlicher journalistischer Ursprünge bis hin zum Studieren fachspezifischer Bücher der Physik, Medizin, Mathematik, Geschichte und anderen Wissenschaften.

Der Zugang, um sich eigenständig Wissen anzueignen, ist gewährleistet. Dank öffentlichen Bibliotheken und dem Internet, bleibt es keinem Menschen mehr verwehrt, sich zu informieren und seinem Wissensdrang nachzukommen.

Man kann auch stets eigene Abhandlungen über eigens erworbene Kenntnisse verfassen. Oder Arbeiten von interessanten Forschern und Wissenschaftlern über eigene Websites veröffentlichen, um sein dadurch gewonnenes Wissen mit anderen zu teilen. Diskussionen anfangen, um neue Fakten zu sammeln. Fakten sammeln, um Theorien zu verwerfen oder um sie in ihrem Fundament zu stabilisieren.

Das eigene Studium bietet jede erdenkliche Richtung. Das bedeutet, man kann stets sein Interessengebiet wechseln und sich dazu entscheiden, eine Bildungsebene auszubauen oder es breit gefächert zu besiedeln, um ein größeres Sortiment an Allgemeinbildung vorweisen zu können.

Jetzt kommen wir zu dem negativen Aspekt des Selbststudiums. Sich auszubilden und weiter zu bilden ist immer richtig und wichtig. Aber hat man seinen Schulabschluss nicht gemeistert, bringt einem selbst das größte Selbststudium meist leider recht wenig. Die Anerkennung fehlt. Ohne einen gewissen Abschluss kann man noch so gute eigene Arbeiten verfassen und Doktorarbeiten schreiben, doch die Anerkennung im akademischen Kreis bleibt einem verwehrt.

Sich dazu zu entscheiden, den Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen, um in einem späteren Studiengang doch noch Anerkennung zu bekommen, ist nicht unmöglich, aber auch nicht das Einfachste. Der zweite Bildungsweg erfordert geldliche und vielmehr zeitliche Reserven. Und hat man die Schule bereits seit Jahren hinter sich, ist ein Wiederreinkommen sehr schwer und mit einem Vollzeitjob kaum zu vereinbaren.

Es ist nicht unmöglich und es gibt sehr gute Fernstudienplätze und Abendschulen. Doch leicht wird es einem nicht gemacht. Der geldliche Aufwand ist eines der größten Mankos. Die staatliche Unterstützung ist ein meist sehr komplizierter bürokratischer Ablauf, der einen mehr Zeit kostet als das Studium selbst. BAföG und Studienkredite verlangen spätere Rückzahlung. Und hat man ein Stipendium, so kann man dies zwar umgehen, bindet sich aber meist politisch oder kulturell an die Stiftung, die es vergibt.

Das Schulsystem, die staatliche Bildung, als Geschenk?

Was lernen wir in der Schule? Wir lernen den Grundstock. Lesen, Schreiben, Rechnen. Lernen den allgemeinen Grundstein des Lebens. Selbst in den höheren Klassen, sagen wir mal bis zum Abitur, ist das vermittelte Wissen nicht mehr als ein Fundament der allgemeinen Bildung. Die meisten Themen werden nur sehr oberflächlich angekratzt und alles, was man in sich reinfrisst an Wissen, ist auch stets die einzige und wahre Perspektive. Sobald man das Gelernte in Frage stellt, ist das als Fehlverhalten zu deklarieren.

Unser Schulsystem ist veraltet und hätte schon längst eine Renovierung benötigt. Das System, nach dem man trachtet, ist nicht Wissen zu vermitteln, sondern Absolventen zu produzieren, um Statistiken nach oben zu treiben. Es geht nicht darum, die Fähigkeit hinter etwas zu erlangen, sondern nur die Kompetenz vorweisen zu können, zu wissen, wo etwas steht. Die Wiederholung aus Auswendiglernen und es wiederzukäuen, sobald es gefordert wird, ist Alltag bis zum Ende der Dauerschleife Schule. Es gibt wunderbare Ausnahmen von Schulen, wo Kindern Wissen spielerisch vermittelt wird und andere (alternative) Ansichten sogar gefordert werden. Wo Interessen nicht aufgezwungen, sondern eigene Interessen spezifisch unterstützt werden. Doch leider ist auch zu diesen Schulen der Zugang eingeschränkt. Diese Schulen sind mit zusätzlichem finanziellem Aufwand verbunden oder es ist sehr schwer, einen Platz zu ergattern. Und sowohl für Kinder aus armen Haushalten als auch für Kinder mit Migrationshintergrund ist es eine komplett andere Welt, die unerreichbar scheint.

Der Standard der Schulen ist es, die Kinder wie Zahlen zu behandeln, die so schnell wie möglich durch die Schulzeit getrieben werden müssen, damit man am Ende eine Person erschaffen hat, der es an Individualität fehlt.

Das Problem ist, dass es viele Lehrer gibt, die meinen, das Wissen mit dicken Kellen gegessen zu haben und jetzt die Bildung für sich beanspruchen. Doch nicht immer ist die Person, die vorne steht, diejenige, die alles weiß. Man sollte stets alles hinterfragen, damit nicht nur eine Perspektive die vorherrschende ist.

Der größte Feind des Wissens ist nicht Ignoranz, sondern die Illusion, wissend zu sein.“ Stephen Hawking

Auf der einen Seite hast du die Schulen, in die es für gewisse Schichten zu schwer ist, reinzukommen, und auf der anderen Seite die Schulen, deren Klassenzimmer bis zum Bersten überfüllt sind, deren Lehrer unterbezahlt und überarbeitet. Denen jedwede Förderung abgesprochen wird und deren Schulen wie antike Ruinen in sich zerfallen, wobei antike Ruinen wenigstens vor dem kompletten Zerfall geschützt werden.

Ich gebe keinem Lehrer für irgendetwas die Schuld. Ich glaube, sobald du an einer dieser überfüllten Schulen beginnst hoch motiviert zu arbeiten, ist die Motivation innerhalb der ersten Jahre verflogen und das Lehrerzimmer ist nun der Ort der Hoffnungslosigkeit. Der Alltag hält Einzug. Alteingesessene Lehrer sollten andere unterstützen, doch sind oft bereits überarbeitet und kaputt gespielt. Lehrer sind auch nur noch recht selten Respektpersonen. Verhält sich ein Kind respektlos und stört den Unterricht, bekommt der Lehrer auch keine elterliche Unterstützung, sondern wird zur Ursache für das Fehlverhalten des Kindes gemacht. Es gibt Brennpunktschulen, die so instabil sind wie Krisengebiete, in denen Schüler wie kriminelle Gangs die Schule unter ihre Kontrolle bringen.

Der Lehrer ist nicht immer richtig, aber der Lehrer ist eine Respektperson.

Schüler sind keine Zahlen in irgendwelchen Statistiken.

Der Zugang zu Wissen ist limitiert auf das Minimum, um sie durchzuboxen, und andere Meinungen sind nicht zulässig. Klassenfahrten nicht mehr umsetzbar aufgrund fehlender Aufpasser. Lehrer werden nicht ordentlich weitergebildet und bleiben im Alter auf ihrem Bildungsstand und mehr als diesen können sie ja gar nicht weiter vermitteln.

Kinder sollten wieder mehr die Chance bekommen, ein Teil einer individuell gestalteten Schule sein zu können. Eine, in der sie ihre Meinung anbringen dürfen und es nicht nur einen einzigen dogmatischen Weg gibt.

Die staatliche Unterstützung gegenüber Kindern aus armen Familien mit sogenannten Bildungspaketen ist ein Witz. Außerschulische Aktivitäten, die den Kindern Stabilität geben, sind nicht mehr bezahlbar und innere schulische Projekte aufgrund des Geldes und Lehrermangels nicht mehr umsetzbar. Der Zugang zur Bildung bleibt den Kindern verwehrt. Der Staat hat versagt und wusste, dass das passieren wird.

Der Zugang zu einer breitgefächerten guten kostenfreien Bildung wird nicht gewährleistet.

Und ein guter Schulabschluss ist wichtig. Gewisse Abschlüsse sind für den Rest der Welt die Bestätigung deiner Intelligenz. Ohne einen Abschluss ist es egal wie schlau du bist, für alle anderen bleibst du immer dümmer als sie.

Dies ist ein seltsamer Aspekt, der sich gerne unter Studierenden breit macht. Auch ihnen fehlt es in vielerlei Hinsicht oft an breitgefächertem Wissen und dennoch hegen sie eine seltsame elitäre Arroganz, die sie vom Rest abheben soll. Was sie aber oft davon abhält, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Und hast du keinen Schulabschluss, bist du meist auch kein relevanter Gesprächspartner für diese „Elite“.

Da kommt noch ein Punkt hinzu: Viele Schüler bekommen vermittelt, man müsse nach der Schule, sobald man das Abitur hat, studieren. Was ein absoluter Nonsens ist. Es gibt dir nur die Qualifikation dazu, es zu dürfen. Abertausende Kinder werden nach dem Abitur von ihren Eltern dazu gezwungen zu studieren, damit Sie später auch gutes Geld verdienen.

Geld Geld Geld.

Darum haben wir gefühlte Milliarden BWL Studenten. Die alle BWL studieren, weil sie nicht wissen, was sie sonst machen sollen. Ihnen wurden die Perspektiven auf ganz andere Wege gar nicht erst eröffnet. Anstatt sein Wissen in einer Ausbildung anzubringen, in der man sich vielleicht hätte entfalten können.

Mehr elterliche Unterstützung. Facharbeiter fehlen.

Kommen wir zu dem eigentlichen Thema mal wieder zurück. Der Zugang zur Bildung.

Ist der Zugang zur Bildung gewährleistet?

Ja, in einer gewissen veralteten Form. In der Schulzeit lernt man einen Grundstock eines Grundstockes, doch nicht mehr als das. Der Zugang zu spezifischer Bildung, zu individueller Behandlung, ist ein Punkt, der nur an gewissen Schulen existiert, an denen Kinder aus unteren Schichten nicht teilhaben können. Schulisches Material ist veraltet und Lehrer sind Mangelware. Somit wird die Umsetzung, einen gerechten Zugang zur Bildung zu bekommen, unmöglich. Meist zeichnen sich die Lehrer als strikte Widersacher der skeptischen Nachfrage aus und lehren das Veraltete und somit ist der Zugang zu einer weitsichtigen Bildung nicht gewährleistet. Das System, einfach nur Absolventen zu produzieren, erfordert immer wieder dasselbe zu lernen, über Generationen hinaus, ohne neue Erkenntnisse in Betracht zu ziehen.

Kompetenzen über Fähigkeiten.

Außerschulische Aktivitäten wie Musikunterricht oder Sportkurse und Theater können sich viele Familien einfach nicht leisten. Und innerschulische Projekte sind kaum noch umsetzbar. Also wird auch an der Stelle der Zugang zur Weiterbildung oder zu alternativen Geisteserweiterungen nicht gewährleistet.

Hat man keinen Schulabschluss, ist es nur unter sehr schweren Bedingungen und Auflagen möglich, einen zweiten Bildungsweg in Angriff zu nehmen, und aufgrund von Zeitmangel durch Arbeit und Familie und dem Mangel an staatlicher Unterstützung, mehr eine Belastung als eine Erweiterung. Also auch in diesem Fall ist der Zugang auch nicht gewährleistet. Ohne Schulabschluss keine Anerkennung des eigenen Wissens. Keine Titel, Auszeichnungen oder ranghöhere Jobs ohne akademischen Abschluss. Eine Gewährleistung, einen zweiten Bildungsweg abgesichert zu gehen, nicht gewährleistet.

Keine Gelder für Schulen, überarbeitete Lehrer, veraltetes Bildungswesen, Aberkennung von Wissen ohne Abschluss und Ausgrenzung von Kindern in Armut. Dies ist ein großer Teil des Alltags unseres Bildungswesens.

Das ist so in keiner Form zu dulden und bedarf einer kompletten Umstrukturierung und einer Reformierung. Schlagt die Tesen an die Tafel und reformiert die Gegenwart, um die Zukunft zu schützen. Bildet aus und lasst euch bilden. Doch hört niemals auf zu wissen.

Lernt, lest, schreibt und entwickelt euch weiter.

Wie man sein Wissen konstruktiv anwenden kann, darüber reden wir nächsten Sonntag.

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